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Schwanger im Job: 12 wichtige Fragen beantwortet

Schwanger im Job: 12 wichtige Fragen beantwortet

Wer einen Job hat und schwanger wird, steht manchmal relativ schnell vor vielen unbeantworteten Fragen. Deswegen haben wir in diesem Beitrag alles zusammengefasst, was zum Thema Schwangerschaft im Job zu wissen ist.

 

Wann muss der Chef über die Schwangerschaft informiert werden?


Sobald die Schwangerschaft ganz sicher ist, sollte auch der/die Arbeitgeber:in darüber informiert werden. Auch, wenn es keinen vorgeschriebenen Zeitpunkt dafür gibt, können alle Vorschriften, die für werdende Mütter gelten, erst dann berücksichtigt werden, wenn der/die Arbeitgeber:in von der Schwangerschaft weiß. Der Kündigungsschutz beispielsweise gilt auch erst zu diesem Zeitpunkt.

 

Welche Konsequenzen hat die Schwangerschaft für den Arbeitsalltag?


Mit den Änderungen im Mutterschutzgesetz zum Jahr 2018 haben Frauen mehr Einfluss darauf, ob und unter welchen Bedingungen sie während einer Schwangerschaft arbeiten wollen. Wenn die Schwangere das selbst will – und nur dann – darf sie auch an Sonn- und Feiertagen sowie zwischen 20 und 22 Uhr arbeiten. Für Schichten nach 22 Uhr darf sie nicht eingeteilt werden.

 

Können Arbeitgeber:innen Schwangere von Projekten und Aufträgen abziehen?


Der/Die Arbeitgeber:in trägt die Verantwortung dafür, dass Leben und Gesundheit von Mutter und Kind nicht gefährdet werden. Dazu gibt es einerseits klare Vorschriften: Eine schwangere oder stillende Frau darf täglich maximal achteinhalb Stunden arbeiten, in zwei aufeinanderfolgenden Wochen höchstens 90 Stunden insgesamt.

 

Für minderjährige Schwangere sind die Grenzen niedriger. Schwangere dürfen außerdem generell keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie gesundheitsgefährdende Gase einatmen, großer Hitze oder Kälte ausgesetzt sind.

 

Andererseits gilt: Der/Die Arbeitgeber:in kann individuell zu der Einschätzung kommen, dass eine Aufgabe mit zu viel Stress für die schwangere Arbeitnehmerin verbunden ist. Er/Sie darf sie dann von der Tätigkeit abziehen, muss sie aber gleichwertig weiterbeschäftigen.

 

Ab und bis wann besteht der Kündigungsschutz?


Vom ersten Tag der Schwangerschaft an bis vier Monate nach der Entbindung sowie auch während der Elternzeit genießen (werdende) Mütter Kündigungsschutz. Das heißt, dass (werdenden) Müttern in dieser Zeit nicht gekündigt werden darf.

 

Wie sollte man als Schwangere auf eine Kündigung reagieren?


Erhält eine Frau eine Kündigung und der/die Arbeitgeber:in weiß noch nichts von ihrer Schwangerschaft, hat sie zwei Wochen Zeit, ihn/sie darüber zu informieren. Weiß sie selbst noch nichts davon, beginnt diese Frist an dem Tag, an dem ein Arzt die Schwangerschaft festgestellt hat.

 

In der Regel wird der/die Arbeitgeber:in die Kündigung dann zurückziehen. Revidiert der/die Arbeitgeber:in seine Kündigung nicht, hat sie drei Wochen Zeit, um Kündigungsschutzklage zu erheben – im ersten Fall ab Zugang der Kündigung, im zweiten ab Kenntnis der Schwangerschaft.

 

Wann darf einer Schwangeren gekündigt werden?


Solche Kündigungen müssen von den jeweiligen Landesbehörden genehmigt werden. Sie können die Kündigungssperre nur aufheben, wenn ein besonderer Grund vorliegt, der nichts mit der Schwangerschaft zu tun hat.

 

Wann ein solcher Grund vorliegt, ist unter Expert:innen höchst umstritten und nicht pauschal zu beantworten. Fest steht: Gerichte können auch bei einer behördlich genehmigten Kündigung zu dem Schluss kommen, dass diese arbeitsrechtlich unwirksam ist.

 

Was passiert, wenn ein befristeter Vertrag während der Schwangerschaft ausläuft?


Die Schwangerschaft ändert an einer bestehenden Befristung erst einmal nichts. Das Auslaufen des Vertrags kann aber angefochten werden, wenn das Arbeitsverhältnis ohne die Schwangerschaft fortgesetzt worden wäre.

 

Davon ist beispielsweise auszugehen, wenn mehrere Beschäftigte zum gleichen Zeitpunkt befristet eingestellt wurden und bis auf die Schwangere alle Mitarbeiter:innen bleiben dürfen.

 

Was passiert, wenn eine Schwangere noch in der Probezeit ist?


Der Kündigungsschutz greift auch für werdende Mütter in der Probezeit. Die sonst wirksamen verkürzten Kündigungsfristen gelten dann nicht.

 

Wann beginnt der Mutterschutz?


Der Zeitraum von sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bis acht Wochen nach der Geburt wird als so genannte Mutterschutzfrist bezeichnet. In dieser Zeit darf die (werdende) Mutter nicht arbeiten.

 

Vor der Geburt kann das Beschäftigungsverbot zwar auf eigenen Wunsch widerrufen werden und es kann weitergearbeitet werden, nach der Geburt gilt dies jedoch nicht. Bei geborenen Frühchen verlängert sich die Schutzfrist auf zwölf Wochen nach der Geburt.

 

Dürfen während der Arbeitszeit Vorsorgeuntersuchungen geplant werden?


Laut Bundesministerium für Familie müssen Arbeitgeber:innen für die Zeit der Vorsorgeuntersuchungen werdende Mütter von der Arbeit freistellen, ohne dass dadurch ein Verdienstausfall entsteht.

 

Dürfen Arbeitgeber:innen einen Nachweis für die Schwangerschaft verlangen?


Arbeitgeber:innen dürfen nach einer schriftlichen Bestätigung der Schwangerschaft verlangen. Dann müssen jedoch auch die Kosten für diesen Nachweis übernommen werden, der von einem/einer Frauenarzt/-ärztin ausgestellt wird. Den Mutterpass hingegen dürfen Arbeitgeber:innen nicht verlangen.

 

Sollte bereits während der Schwangerschaft über die Rückkehr gesprochen werden?


Es empfiehlt sich, mit dem/der Arbeitgeber:in schon während der Schwangerschaft über die Berufsrückkehr zu sprechen. Hier kann z. B. angeboten werden, dass während der Elternzeit als Aushilfe oder Krankheitsvertretung gearbeitet wird, wenn es die Umstände erlauben.

 

So kann dafür gesorgt werden, dass (werdende) Mütter mit dem Unternehmen verbunden bleiben. In der Elternzeit dürfen Eltern übrigens bis zu 30 Stunden die Woche arbeiten – auch von zu Hause aus.

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